1. Mannschaft

„Vor diesen Fans ist es geiler, Spiele zu gewinnen“

Dienstag, 06.09.2022 19:05 Uhr

In der Sommerpause wurden nicht nur einige neue Spieler für die neue Saison verpflichtet, auch auf der WSV-Trainerbank gab es eine Veränderung. Chef-Trainer Björn Mehnert und Co-Trainer Samir El-Hajjaj erhielten Verstärkung in Person von Andy Steinmann, der in der abgelaufenen Spielzeit noch an der Seitenlinie der Sportfreunde Lotte stand.

Andy Steinmann wurde in direkter Nähe zum Bergischen Land geboren und wuchs in Hattingen auf. Sein erster Verein in der Jugend war der örtliche DJK Märkisch Hattingen, bevor es ihn zur TSG Sprockhövel zog. Während „Steini“ in der dortigen Jugend aktiv war, stand unser heutiger Chefscout Gaetano Manno zeitgleich im Seniorenteam der TSG. Von Sprockhövel reiste Andy weiter ins Ruhrgebiet und spielte als Profi in der zweiten Mannschaft von „Königsblau“. Anschließend zog es ihn an seinen heutigen Wohnort Lotte, wo unser Co-Trainer die Schuhe für die Sportfreunde schnürte, ehe er aufgrund mehrerer Verletzungen seine Laufbahn beenden musste und diese als Spielertrainer bei der SG Welper in Hattingen ausklingen ließ. Anschließend fuhr der gelernte Industriekaufmann beruflich zweigleisig: Neben dem Job als Co-Trainer beim SV Rödinghausen war Andy beim Küchengiganten Häcker tätig. Die fünf Aufstiege in Folge mit dem SV Rödinghausen bezeichnet unser Co-Trainer als seinen größten sportlichen Erfolg. Nach insgesamt acht Spielzeiten in Rödinghausen zog es Andy zurück nach Lotte, wo er die U19 trainierte und erfolgreich die DFB-Trainer A-Lizenz ablegte. Im Dezember 2020 übernahm Steinmann als Cheftrainer, ehe sich die Wege bei den Sportfreunden im März 2022 trennten. Ein Glücksfall für den WSV, denn seit Juli diesen Jahres ist Andy Steinmann fester Bestandteil des Trainerteams rund um Björn Mehnert.

Über seinen persönlichen Start in Wuppertal findet der 37-jährige Familienvater ausschließlich positive Worte: „Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden. Klar ist es als Trainer noch mal etwas anderes im Vergleich zu den Spielern, die neu dazukommen. Ich hatte vorab einige Termine, in denen ich die Menschen rund um die Mannschaft kennenlernen konnte und ich hatte einfach Bock, mit ihnen zusammenzuarbeiten - ob es nun Stephan Küsters ist oder Gaetano Manno, den ich noch aus meiner Jugend in Sprockhövel kannte.“ Das Fazit unseres neuen Co-Trainers zu seinen ersten Wochen im Tal fällt wie folgt aus: „Nach dem ersten Treffen war mir schnell klar, dass es passt. Um komplett anzukommen, brauchte es - wie bei jeder neuen Stelle - am Anfang etwas Zeit, um zum Beispiel zu sehen, wie der andere neben einem arbeitet. Es ist ein Prozess und dieser dauert etwas. Für mich und meine Entwicklung war es aber die richtige Entscheidung, hierher zu kommen. Hier wird sehr professionell gearbeitet und u.a. aus diesem Grund habe ich mich für das Engagement beim WSV entschieden, denn dadurch lerne ich auch selbst sehr viel. Der gesamte Verein hat es mir aber auch sehr leicht gemacht.“ Auf die Frage, wie die Aufteilung im „Dreiergespann“ läuft, berichtet der gebürtige Hattinger: „Am Samstag oder Sonntag sprechen wir uns ab, was wir in der nächsten Woche machen wollen. Mehne hat einen klaren Plan und wir drei Trainer füllen das dann zusammen in verschiedenen Trainings- und Spielformen aus. Wir sind in der Zusammenarbeit auf einem guten Weg, aber es braucht auch noch ein wenig Zeit, bis wir uns perfekt eingespielt haben.“ Sowohl den Verein als auch Björn Mehnert kannte der ehemalige Profi aus zahlreichen Duellen - und beinahe wäre man bereits in der Vergangenheit ein Trainerteam geworden: „Mehne und ich haben schon vor zehn Jahren mit unseren jeweiligen Teams gegeneinander gespielt. Da war er noch in Rhynern und ich als Co-Trainer in Rödinghausen. Vor ein paar Jahren, als es bei mir in Rödinghausen zu Ende war und Mehne in Wiedenbrück gearbeitet hat, hatten wir bereits Kontakt und sprachen miteinander, ob wir es in dieser Konstellation nicht mal probieren wollen.“ 


Von einer Doppelbelastung und einer Dreierkonstellation

Als Gaetano Manno sich in diesem Sommer bei seinem alten Weggefährten Andy Steinmann meldete, um ihm einen Wechsel zum WSV schmackhaft zu machen, war dieser inzwischen in Lotte sesshaft geworden. Warum sich der ehemalige Mittelfeldspieler trotz der relativ großen Entfernung - die er seitdem mit dem Zug oder seinem PKW zurücklegt - von einem Wechsel nach Wuppertal überzeugen ließ, begründet der A-Lizenzinhaber so: „Als ich in Lotte aufgehört hatte, habe ich zunächst eher nach einem Job als Chef-Trainer gesucht. Ich war aber auch insgesamt acht Jahre in Rödinghausen als Co-Trainer tätig. Auch in Lotte war ich unter Imke Wübbenhorst Co-Trainer. Danach war ich eineinhalb Jahre für die Regionalliga-Mannschaft zuständig - das war echt super und ich hätte auch gerne weitergemacht. Als dann das Angebot aus Wuppertal kam, war es die Station, die ich am liebsten machen wollte. Als Teil des Trainerteams hier musste ich mich am Anfang ganz kurz daran gewöhnen, nicht vorne zu stehen und zu reden - das dauert dann ein paar Tage (lacht).“ Für Andy gibt es noch weitere Gründe: „Durch diesen Wechsel möchte ich in der Tabellenregion mitspielen, in der sich der WSV bereits in der vergangenen Saison bewegt hat. Man merkt, dass es durch die Transfers, die im Sommer getätigt wurden, in die richtige Richtung geht. Mein Ziel als Trainer ist es, besser zu werden. Dies kann man umso besser erreichen, wenn man mit besseren Spielern arbeiten darf und sich um einen herum viele Fußballfachleute mit Fachwissen bewegen. Hierbei meine ich nicht nur Björn Mehnert und Samir El-Hajjaj im Trainerteam, sondern zum Beispiel auch Stephan Küsters, Gaetanno Manno und Thomas Richter, von denen man viel lernen kann, weil sie bereits sehr viele Erfahrungen gesammelt haben. Aber auch von den Spielern kann man immer viel mitnehmen - zum Beispiel ein Marco Stiepermann weiß viel von seinen vergangenen Stationen zu berichten und daraus kann jeder lernen.“ Wenn Björn Mehnert auf seinem Trainerlehrgang weilt, zählt es dann sogar doch zu den Aufgaben von Andy Steinmann und Samir El-Hajjaj, die Ansprachen an die Mannschaft zu halten. Ansonsten ist „Steini“ nach Wuppertal gekommen, damit generell die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt werden kann, wie der Familienvater berichtet: „Dadurch dass wir jetzt noch breiter aufgestellt sind, können wir noch besser arbeiten - zum Beispiel im Bereich der Videoanalyse und beim Coaching auf dem Platz. Wir können nun im Training in mehreren Gruppen coachen und haben einfach mehr Manpower.“

Für einige vielleicht schwer vorstellbar, arbeitet Andy Steinmann jedoch nicht nur beim Wuppertaler SV, sondern auch weiterhin in Rödinghausen - allerdings nicht beim Ligakonkurrenten SV Rödinghausen, sondern bei Häcker Küchen. Dass diese Doppelbelastung nicht immer einfach ist, bestätigt der 1,87 Meter große Sommerneuzugang: „Ich bin seit elf Jahren im Büro bei Häcker tätig. Angefangen hatte ich dort im Einkauf, aktuell bin ich in der Buchhaltung zuständig. Ich arbeite noch 24 Stunden pro Woche bei Häcker und kann dies größtenteils von zu Hause oder hier aus dem Stadion erledigen. Einmal in der Woche muss ich allerdings nach Rödinghausen, um den Kontakt zu den Kollegen nicht zu verlieren. Ich mache beide Tätigkeiten - in Wuppertal und in Rödinghausen - sehr gerne. Gerade in der Saisonvorbereitung war es echt anstrengend. Da hat mich Häcker aber sehr gut unterstützt und meine Familie kennt das so langsam. Die Zeit, die wir haben, nutzen wir dann umso intensiver. Teilweise sind es siebzig bis achtzig Stunden Arbeit in der Woche.“ Mit strahlenden Augen nennt uns der Familienvater den entscheidenden Grund, warum er die Doppelbelastung trotz allem gut unter einen Hut bekommt: „Meine Frau hat mich noch als Spieler kennengelernt. Inzwischen sind wir schon seit zehn Jahren verheiratet. Sie weiß sehr wohl, dass ich samstags nicht zu Hause bin (lacht).“ 


Andy Steinmann sieht ein großes Fanpotenzial

Mit seiner Ehefrau hat unser Co-Trainer drei Kinder, mit denen diese in Lotte wohnt. Auf die Frage, ob eines seiner Kinder eines Tages in seine Fußstapfen als Fußballer treten könnte, antwortet Andy: „Der Kleinste ist jetzt fast eineinhalb Jahre alt und schafft es noch nicht mit dem Ball. Mein älterer Sohn ist acht Jahre alt und bereits ein sehr guter Kicker. Er hat hoffentlich mein Talent, aber die Knie und alles andere von der Mama, denn ich musste ja aufgrund von vielen Verletzungen mit dem Fußballspielen aufhören. Mein Sohn spielt aktuell beim VfL Lotte in der E-Jugend. Ich vermisse es, dort zuschauen zu können. In der vergangenen Saison konnte ich bei fast jedem Spiel anwesend sein, dies schaffe ich jetzt leider seltener. Auch mein anderer Sohn ist fußballverrückt. Beide waren schon zweimal hier im Stadion am Zoo und haben uns zugeschaut. Sie fiebern total mit und schicken mir Sprachnachrichten, wenn wir gewonnen haben. Anders würde es aber auch nicht gehen und dafür bin ich sehr dankbar.“ 


Aber nicht nur über seine Familie, sondern auch über das Wuppertaler Publikum findet „Steini“ die passenden Worte, um zu benennen, was ihn sofort begeistert hat: „Es war ein gutes Gefühl vor diesen Zuschauern. Der WSV ist ein Verein mit Tradition, bei dem man hoffen kann, dass immer mehr Zuschauer kommen. Dies waren weitere Gründe, warum ich mich für den WSV entschieden habe. Vor diesen Fans ist es geiler, Spiele zu gewinnen. In Lotte hatten wir auch eine gute Fangemeinschaft, die aber bei weitem nicht so groß war wie hier.“ Abschließend schildert Andy, was er sich mit dem Team für die Zukunft vorgenommen hat: „Hier herrscht anderes Adrenalin als woanders. Es ist ein Prozess und wir wollen über die Zeit durch attraktiven Fußball wieder mehr Fans ins Stadion bekommen. Die Anhänger müssen wir uns als Team durch gute Leistungen am Spieltag erarbeiten.“

Die neunzehn54-Redaktion bedankt sich bei Andy Steinmann für die genommene Zeit und wünscht ihm und seiner Familie nur das Beste für die Zukunft!